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Stadttor

Aus der Dissertation von Gerhard Martin Plasser, Salzburg 1995, Universität Salzburg, Stadt lesen Salzburger Plätze Gestalten und Funktion

„Vom stadtebaulichen und geistigen Standpunk aus gesehen wird der Bahnhof im 19. Jahrhundert zum neuen Stadttor, das die Pforte in den alten Stadtbefestigungen ersetzt.
Der Charakter der Grenzortes drückt sich in der Eisenbahnarchitektur oft in vielfältigen Variationen über das Thema Eingansportale und Triumphbögen aus. [1]

Grenzort war der Salzburger Bahnhof nicht nur in Bezug auf die bayrische Grenze ( einer Grenze zwischen Ländern), oder in Bezug auf die Stadt ( als Stadttor, man verließ den Bereich der Kommune), ebenso in Bezug auf die Zeit ( Eisenbahnzeit versus Ortszeit) und auf die Geschwindigkeit des Transportmittels ( die Züge verkehren mit mehrfacher Pferdegeschwindigkeit).
Ein Stadttor hat eine Feldseite und Stadtseite. Bei der Metapher „vom Bahnhof als neuem Stadttor „ ist zu bedenken, dass der Bahnhof seine Stadtseite hier in Salzburg hat, seine Feldseite jedoch in Wels, Linz, Wien, in allen größeren Stationen der Westbahn, die die Reisenden durch deren Ankunftshallen verließen. Diese „Salzburger Feldseite“ waren gleichzeitig de Stadtseiten jener Orte, wie auch der Salzburger Bahnhof als „Feldseite“ jener Orte interpretieren kann. Man kommt im „gleichen“ Bahnhof – einem baulichen verwandten Bahnhof – an. Das „Dazwischen“ war Exterritoriales Gebiet, das Gebiet der Transportgesellschaft; es war aber vor allem Kulisse der Eisenbahnreise. [2]

War der Bahnhof Stadttor, also Ende und Anfang der Stadt, so war er andererseits Tor zum Bahnhofsgelände und zum Streckennetz der Eisenbahngesellschaft. Die Stadtseite des Bahnhofes begrüßte und verabschiedete die Abreisenden und nicht die Ankommenden, die sich beim Aussteigen noch auf dem Gelände der Bahn befanden und über Stufen und Treppen auf das Ortsniveau herunterstiegen. [3]

„ Wenn die Architektur des Bahnhofes im 19. Jahrhundert oft die Gestalt eines neuen Stadttores annimmt, so ist er doch geistig gesehen ein offenes Tor in die Ferne, abenteuerlich und exotisch…“ [4]

Robert Hoffmann thematisiert für Salzburg den Kontext zwischen Eisenbahn und liberaler bürgerlicher Vereinskultur. Die Eröffnung der Eisenbahn war gleichzeitig der Startschuss zur Einbindung in eine gesamtdeutsche Festkultur. [5]

Dass der Anschluss an die Segnungen des Fortschritts auch dessen Nachteile, wie den Eisenbahnunfall, den Eisenbahnraub und den Massentourismus brachte, scheint man zum einen Kauf genommen oder zum anderen noch positiv bewertet zu haben.

[1] Welt der Bahnhöfe, S. 46.
[2] Schivelbusch, S. 40/41.
[3] Eine ähnliche Form des Mehrfachdeutung eines Tores und zwar nicht auf den Raum bezogen sondern auf die Zeit gibt Hahnl für das Neutor, wo zwei Feldseiten thematisiert werden. Vgl. Hildmannplatz.
[4] Welt der Bahnhöfe, S. 9.
[5] Hoffmann, Robert: Bürgerliche Kommunikationsstrategien zu Beginn der liberalen Ära: Das Beispiel Salzburg.
In :Hannes Stekl, Peter Urbanitsch u.a. (Hg.): „Durch Arbeit, Besitz, Wissen und Gerechtigkeit“. Bürgertum in der Habsburgermonarchie II.- Wien, Köln, Weimar: Böhlau 1992. S. 317- 336, hier: S. 332.






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